Deeper Learning Lab

Das Deeper Learning Lab am Institut für Bildungswissenschaft ist ein hochschuldidaktisches Lehr-Lern-Labor zur Entwicklung, Erprobung und wissenschaftlich reflektierten Weiterentwicklung zeitgemäßer Lehr- und Lernformate. Das Projekt verbindet universitäre Lehre, Bildungsforschung und schulische Praxis. Das Lab versteht sich damit als Innovationsraum für eine zukunftsorientierte Schul- und Hochschulentwicklung.

Als Entwicklungsraum am IBW verbindet das Lab drei Ziele:

  • Es qualifiziert Studierende für eine professionelle, wissenschaftlich fundierte und zukunftsorientierte Unterrichtsentwicklung. 
  • Es schafft Materialien, die Schulen bei der Umsetzung von Deeper Learning unterstützen können. 
  • Und es trägt zur Weiterentwicklung einer Lehrer:innenbildung bei, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern Studierende befähigt, Bildung aktiv mitzugestalten.
Infografik, die das Lab, die Doppeldeckerstruktur und den Transfer in die Praxis in abstrakten Formen darstellt.

Studierende lernen Deeper Learning im didaktischen Doppeldecker kennen

Charakteristisch für das Lab ist eine hochschuldidaktische Doppeldecker-Struktur: Studierende erleben in ihren Hochschulveranstaltungen selbst eine Lernumgebung, die nach den Prinzipien des Deeper Learning gestaltet ist, und entwickeln zugleich Materialien, mit denen Deeper Learning in schulischen Bildungskontexten ermöglicht werden kann. Theorie, Anwendung und Reflexion greifen dabei ineinander. Die Studierenden lernen nicht nur über innovative Unterrichtsentwicklung, sondern werden selbst zu Mitgestalter:innen solcher Entwicklungsprozesse.

 

Auf diese Weise fördert das Deeper Learning Lab zentrale Zukunftskompetenzen wie kritisches Denken, Kollaboration, Kommunikation, Kreativität, Problemlösen und Selbstregulation. Zugleich stärkt es die Fähigkeit, wissenschaftliches Wissen in pädagogisches Handeln zu übersetzen — eine Kernkompetenz professioneller Lehrer:innenbildung.

Die Deeper Learning Pädagogik

Im Mittelpunkt steht der von Sliwka & Klopsch (2022) ausgearbeitete Ansatz des Deeper Learning. Deeper Learning beschreibt dabei Lernprozesse, in denen fachliches Lernen und Verstehen, kollaboratives Arbeiten, kreative Problemlösung und authentische Leistungen miteinander verbunden werden. Studierende setzen sich nicht nur theoretisch mit Konzepten guter Bildung und zeitgemäßen Unterrichts auseinander, sondern wenden diese Konzepte auch konkret in der Unterrichtsentwicklung an.

Abstrakte Symbole stehen für die drei Schritte des Deeper Learning: Fachliches Wissen verstehen, Co-konstruktiv und co-kreativ arbeiten im Team und Authentische Leistung

Die Lehrveranstaltungen folgen dabei der Deeper Learning Phasenlogik: 

Phase I schafft die fundierte fachliche Auseinandersetzung mit theoretischen Grundlagen ein gemeinsames Wissensfundament. 

Darauf aufbauend arbeiten Studierende in der anschließenden Phase II ko-konstruktiv und ko-kreativ an einer gemeinsamen Fragestellung. Sie übernehmen Verantwortung für Teilprodukte, stimmen ihre Arbeit im Team ab, erhalten formatives und Peer-Feedback und entwickeln ihre Ergebnisse iterativ weiter. 

So entsteht in Phase III eine authentische Leistung: ein sichtbares, anwendungsbezogenes Produkt, das nicht nur für die Bewertung im Seminar entsteht, sondern einen realen pädagogischen Nutzen für Schulen haben soll.

Mitmachen: Ihre Themen aus der Schulpraxis

Für das Deeper Learning Lab suchen wir Schulen, Lehrkräfte und Kooperationspartner, die Themen oder konkrete Fragestellungen für Unterrichtseinheiten einbringen möchten. Diese können im Rahmen unserer Lehrveranstaltungen von Studierenden aufgegriffen und gemeinsam mit Lehrkräften zu Deeper-Learning-Einheiten, Lernaufgaben oder Unterrichtsmaterialien weiterentwickelt werden.

Auch Rückmeldungen aus der Schulpraxis sind für uns wichtig: Lehrkräfte können ihre Erfahrungen und Perspektiven in die Entwicklung einbringen, Feedback zu entstandenen Konzepten geben und – wo möglich – ausgewählte Einheiten im eigenen Unterricht erproben.

So entsteht ein Austausch zwischen Hochschule und Schule, bei dem wissenschaftliche und didaktische Perspektiven mit konkreten Erfahrungen und Bedarfen aus der Schulpraxis verbunden werden.

Sie haben ein Thema oder eine Fragestellung aus Ihrem Unterricht, die sich für eine Deeper-Learning-Einheit eignen könnte? 

Wir freuen uns über Ihre Nachricht!

FAQ

1. Was ist das Deeper Learning Lab an der Universität Heidelberg? 

Das Deeper Learning Lab am Institut für Bildungswissenschaft verbindet Lehrkräftebildung, Unterrichtsentwicklung und Forschung. Studierende, Hochschullehrende und Lehrkräfte entwickeln gemeinsam anspruchsvolle Unterrichtseinheiten. Dabei bringen die Universität wissenschaftliche Erkenntnisse und die Schulen ihre Erfahrungen aus dem Unterricht ein. Das Ziel: Kinder und Jugendliche sollen fachlich fundiert, aktiv und zunehmend selbstständig lernen. Das Lab begleitet den Weg von der ersten Idee über die Erprobung bis zur Verbesserung einer Einheit. 

2. Was bedeutet Deeper Learning – und was ist uns dabei besonders wichtig? 

Deeper Learning heißt: Schülerinnen und Schüler bauen solides Fachwissen auf, verstehen Zusammenhänge und wenden ihr Wissen auf neue, bedeutsame Fragen an. Sie denken selbst mit, arbeiten mit anderen zusammen und übernehmen schrittweise Verantwortung für ihr Lernen. Dabei entwickeln die Lernenden fachliches Können, Kreativität und lernen, eigene Ideen und Positionen fachlich begründet zu vertreten. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Wissen, Lernengagement (Learner Engagement), Selbstregulation und authentischen Leistungen. Deeper Learning ist deshalb mehr als Projektarbeit: Anspruchsvolle Aufgaben brauchen ein tragfähiges Wissensfundament und professionelle Begleitung. 

3. Wie funktioniert das Heidelberger Deeper-Learning-Modell? 

Das Modell nach Sliwka und Klopsch (2022) beginnt mit der gemeinsamen Unterrichtsplanung (Phase 0). Danach folgen drei Lernphasen: 

  • Phase 0 – Co-Design: Lehrkräfte planen möglichst im Team. Sie klären fachliche Ziele, Lernvoraussetzungen und die zentrale Herausforderung. Sie legen auch fest, wie sie Wissen aufbauen, Lernende unterstützen und Leistungen beurteilen. 
  • Phase I – Instruktion und Aneignung: Die Lernenden erwerben und vertiefen zentrale Begriffe, Konzepte und Verfahren. Lehrkräfte erklären, geben Übungsgelegenheiten und prüfen, was die Klasse bereits verstanden hat. 
  • Phase II – Ko-Konstruktion und Ko-Kreation: Die Lernenden bearbeiten mit ihrem Wissen komplexe Fragen. Sie diskutieren, recherchieren, entwickeln Lösungen und treffen innerhalb eines klaren Rahmens eigene Entscheidungen. 
  • Phase III – Authentische Leistung: Die Lernenden zeigen, was sie wissen und können – zum Beispiel mit einer Ausstellung, einer begründeten Empfehlung oder einer Präsentation für ein echtes Publikum. 

Diese Phasen greifen ineinander. Wenn neue Fragen entstehen, bauen die Lernenden weiteres Wissen auf. Diagnose, Feedback und Überarbeitung begleiten den gesamten Prozess. 

4. Wie stärkt Deeper Learning Lernengagement und Selbstregulation? 

Lernengagement bedeutet, dass sich Schülerinnen und Schüler gedanklich intensiv mit einer Frage beschäftigen und auch bei Schwierigkeiten dranbleiben. Dazu tragen sinnvolle Herausforderungen und echte Mitgestaltungsmöglichkeiten bei: Lernende können beispielsweise Teilfragen, Arbeitswege oder Darstellungsformen mitwählen (Voice & Choice). Selbstregulation heißt, dass sie Ziele setzen, ihre Arbeit planen, Fortschritte prüfen und Rückmeldungen für nächste Schritte nutzen. Lehrkräfte zeigen ihnen, wie das geht, und unterstützen sie so lange, wie sie Hilfe brauchen. Selbstständigkeit wächst durch Übung und Feedback. 

5. Was ist eine authentische Leistung? 

Bei einer authentischen Leistung wenden Lernende ihr Wissen auf eine Aufgabe an, die auch außerhalb einer Prüfung sinnvoll wäre. Sie entwickeln beispielsweise einen Podcast, eine Ausstellung oder einen fachlich begründeten Vorschlag für ihre Schule. Nach Möglichkeit richten sie das Ergebnis an ein echtes Publikum. Wichtig ist nicht allein das fertige Produkt, sondern die fachliche Qualität: Wie gut begründen die Lernenden ihre Aussagen? Welche Kenntnisse und Fähigkeiten zeigen sie? Klare Kriterien, Rückmeldungen und Überarbeitung machen diese Qualität sichtbar. 

6. Welche Rolle spielen Lehrkräfte beim Deeper Learning? 

Lehrkräfte sorgen dafür, dass anspruchsvolle, selbstständige Arbeit gelingt. Sie erklären fachliche Zusammenhänge, stellen passende Materialien bereit und prüfen, wer zusätzliche Unterstützung braucht. Während der Teamarbeit beobachten sie Lernprozesse, stellen weiterführende Fragen und geben gezieltes Feedback. Je nach Situation wechseln sie zwischen Instruktion, Lernbegleitung und Coaching. Deeper Learning bedeutet also nicht, Lernende sich selbst zu überlassen, sondern Anleitung und Selbstständigkeit bewusst miteinander zu verbinden. 

7. Wie könnte eine Deeper-Learning-Einheit in der Schule aussehen? 

Eine achte Klasse untersucht die Frage: Wie lässt sich unser Schulhof an heißen Tagen angenehmer gestalten? Zunächst erarbeiten die Jugendlichen fachliches Wissen über Sonneneinstrahlung, Oberflächen und Begrünung. Anschließend messen sie Temperaturen, werten Ergebnisse aus und entwickeln in Teams verschiedene Vorschläge. Die Lehrkraft begleitet die Arbeit mit Fachgesprächen und Feedback. Zum Abschluss stellen die Teams ihre begründeten Entwürfe der Schulleitung vor. So führt fachliches Lernen zu einer eigenständigen, authentischen Leistung. 

8. Wie arbeitet das Deeper Learning Lab konkret? 

Am Anfang steht eine fachliche Unterrichtsfrage oder ein Entwicklungswunsch einer Schule. Studierende, Lehrkräfte und Hochschullehrende klären gemeinsam Lernziele, Voraussetzungen und Rahmenbedingungen. Darauf aufbauend entwickeln Studierende Aufgaben, Materialien, Lernhilfen und Kriterien für Feedback und Leistungsbewertung. Dabei bekommen Sie Rückmeldungen aus wissenschaftlicher und schulpraktischer Perspektive. Wenn die Einheit bereit für die Erprobung in der Praxis ist, wird sie von der Schule im Unterricht durchgeführt. Anschließend besprechen alle, was gelungen ist und was sie weiterentwickeln sollten. 

9. Was bedeutet der „didaktische Doppeldecker“ im Lab? 

Studierende lernen auf zwei Ebenen zugleich: Sie erleben Deeper Learning selbst und lernen, wie sie Deeper Learning für Schülerinnen und Schüler gestalten können. Im Hochschulseminar bauen sie zunächst wissenschaftliches und didaktisches Wissen auf. Dann entwickeln sie in Teams eine Unterrichtseinheit, möglichst gemeinsam mit einer Schule. Sie treffen eigene Entscheidungen, nutzen Feedback, überarbeiten ihren Entwurf und präsentieren ihn als authentische Leistung. So erfahren sie aus der Perspektive der Lernenden, wie Deeper Learning funktioniert, und reflektieren gleichzeitig ihre künftige Rolle als Lehrkraft. Das ist der Kern unseres hochschuldidaktischen Ansatzes. 

10. Was machen Studierende im Deeper Learning Lab? 

Vor allem Studierende im Master of Education lernen hier, wissenschaftlich begründete Deeper-Learning-Einheiten zu entwickeln. Sie verbinden Bildungspläne und fachliche Lernziele mit Erkenntnissen der Lehr-Lern-Forschung. Sie planen Wissensaufbau, kooperative Aufgaben, gezielte Unterstützung und authentische Leistungen. Dabei prüfen sie auch, wie sich Lernfortschritte erkennen und fair beurteilen lassen. Sie arbeiten in Teams, erhalten Rückmeldungen aus Universität und Schule und verbessern ihre Entwürfe Schritt für Schritt. 

11. Kann ich im Lab auch eine Masterarbeit schreiben? 

Ja, wenn Thema, Betreuung und Rahmenbedingungen passen. Eine Masterarbeit kann beispielsweise untersuchen, wie eine Deeper-Learning-Einheit entsteht, wie eine Schule sie umsetzt oder wie einzelne Elemente – etwa Feedback, Lernhilfen oder Selbstregulation – das Lernen unterstützen. Studierende entwickeln dafür eine klare Forschungsfrage und wählen passende Methoden. Das Lab unterstützt die wissenschaftliche Planung und vermittelt nach Möglichkeit Kontakte zu Kooperationsschulen. Jede Masterarbeit bleibt eine eigenständige wissenschaftliche Leistung. 

Bei Interesse wenden Sie sich gerne an uns!

12. Wie können Schulen mitarbeiten – und was haben sie davon? 

Schulen können eigene Unterrichtsfragen und Entwicklungsziele einbringen. Lehrkräfte gestalten die Einheiten mit, geben Rückmeldung zu Aufgaben und Materialien und können eine Erprobung begleiten. So erhalten sie neue Impulse und praxistaugliche Entwürfe für ihre Unterrichtsentwicklung. Die Schule entscheidet gemeinsam mit dem Lab, welche Form der Zusammenarbeit zeitlich und organisatorisch passt. Sie ist Entwicklungspartnerin und nicht bloß ein Ort, an dem die Universität etwas testet. Die Verantwortung für den Unterricht bleibt bei den Lehrkräften. 

Sie möchten mit uns im Rahmen des Deeper Learning Labs kooperieren?  

Schreiben Sie uns eine Mail!

13. Wie verbindet das Lab wissenschaftliche Forschung und schulische Praxis? 

Wissenschaftliche Erkenntnisse helfen uns, Lernziele, Aufgaben und Unterstützung gut zu begründen. Gleichzeitig prüfen wir gemeinsam mit den Schulen, wie die Entwürfe im Unterricht funktionieren: Was unterstützt fachliches Verstehen? Wann arbeiten Lernende engagiert und selbstreguliert? Welche Anpassungen brauchen unterschiedliche Lerngruppen? Einzelne Forschungsprojekte untersuchen solche Fragen beispielsweise anhand von Lernprodukten, Beobachtungen oder Interviews. Dafür klären wir Datenschutz, Einwilligungen und notwendige Genehmigungen im Voraus. Nicht jede Schulkooperation umfasst eine Studie. 

14. Welche Unterrichtsmaterialien entstehen im Lab – und wer darf sie nutzen? 

Das Lab entwickelt vollständige Unterrichtseinheiten mit Aufgaben, Materialien für den Wissensaufbau, Hilfen für kooperative Arbeitsphasen und Kriterien für Feedback und Leistungsbewertung. Universität und Schulen prüfen die fachliche Qualität und die Praxistauglichkeit. Besonders gelungene Materialien möchten wir frei zugänglich veröffentlichen, damit andere Lehrkräfte sie nutzen und an ihre Lerngruppen anpassen können. Vorher klären wir Urheberrechte, Einwilligungen und die Bedingungen der Veröffentlichung. 

15. Wie können Studierende und Schulen beim Deeper Learning Lab mitmachen? 

Studierende können über passende Seminare und – nach Absprache mit Frau Prof. Dr. Sliwka – über Masterarbeiten mitwirken. Schulen können sich mit einer konkreten Unterrichtsfrage, einem Entwicklungswunsch oder einer Idee für gemeinsame Unterrichtsgestaltung an das Lab wenden. Welche Kooperationen gerade möglich sind, hängt von den laufenden Vorhaben und den verfügbaren Kapazitäten ab. Aktuelle Angebote und Ansprechpersonen finden sich auf der Webseite des Labs.